Januar 2004: 1804 - 2004
Vor 200 Jahren wurden in Horbach die Pfarre St. Heinrich sowie in
Richterich die Pfarre St. Martinus als selbständige Pfarrgemeinden
begründet.
1804 - Selbständigkeit
Stolz, jemand zu sein;
ungeduldig, Verantwortung zu übernehmen;
bereit zu neuen Taten.
Aber auch: Einschränkungen spüren; mit Grenzen umgehen lernen;
Fehler verursachen;
Leben versuchen.
Die Gunst und Last der Selbständigkeit.
2004 - Selbständigkeit
Selbstwerte Gemeinden, die allein nicht überleben.
Zeichen für Gemeinschaft erkennen. Teilen üben.
Neue Fakten in den Gemeinden sagen mehr Zueinander an.
Die Gunst und Last der Freiheit annehmen.
Partnerschaft anbieten.
200 Jahre Selbständigkeit
Wir werden feiern.
Noch mehr nachdenken.
Neue Wege einschlagen.
Mündigkeit beweisen.
Wir beten um gutes Gelingen.
Februar 2004: Verkleidungen
Meine
Kleidung setzt Signale. Sie zeigt Sportlichkeit an oder Etabliertsein,
Trauer oder Lebensfreude. Sie sucht Nähe oder Distanz. Ich kann meine
Kleidung benutzen, um meinen Beruf, meinen Stand, meine Besonderheit
geltend zu machen.
Gewiss ist ein Fest mit seiner Garderobe etwas anderes als der Alltag in
Hemd und Hose, Bluse und Rock. Oder als der Beruf in Blaumann und
Schürze.
Schon im ‚heiligen Spiel der Liturgie' haben wir in den Gewändern
Verkleidungen, die Signale aussenden. Sie sprechen von der hellen Freude
festlicher Zeiten genau wie von der Trauer des Todes. Sie laden ein, sich
entsprechend einzustimmen.
Auch der Karneval lebt von Verkleidungen. In eine neue Haut
schlüpfen, das gewohnte Leben verlassen, um ein anderer zu sein als der,
der man ist. Kostüme machen dies möglich. Im Karneval ist das wunderbar,
sofern man andere damit nicht verletzt. Darum sind zum Beispiel Kostüme
von Ordensleuten völlig überflüssig.
Verkleidungen sind zum Ablegen bestimmt. Wer es nur verkleidet
im Leben aushält, wird es schwer haben. Das echte Leben und der wirkliche
Mensch müssen jenseits aller Verkleidungen Vorrang haben.
März 2004: Bund
“Wir haben so großes Vertrauen zueinander, dass wir es wagen
möchten.
Natürlich wissen wir nicht, ob wir das schaffen. Aber wer weiß das
schon?”
Eine junge Frau und ein junger Mann vor dem ‘Bund des Lebens’, den
sie vor Gott eingehen wollen.
Großes Risiko, große Bereitschaft. Eine enorme Perspektive: “Bis
der Tod euch scheidet.” So wollen sie leben, als Partner in einem Bund.
Vertrauen ermutigt.
Ich stelle es mir ähnlich vor, wenn Gott zu Noah sagt: “Heute
schließe ich meinen Bund mit euch und allen Lebewesen für alle Zeiten.”
Was ist das für ein Vertrauensvorschuss Gottes! Eine ungeheure
Lebensaussicht für uns: Wir, angenommen von Gott, als Partner in einem
‘Bund fürs Leben’.
Sein Vertrauen trägt uns. Ob unsere Antwort sein Vertrauen rechtfertigt?
Die Fastenzeit ist Bundes-Bedenk-Zeit. In unseren Kirchen wird der Ring
als Zeichen für den Bund zu sehen sein, schwarz eingehüllt. Dunkel liegt
über unserem Bund mit Gott.
Im Hören der Hl. Schrift und in der Feier des Neuen Bundes am Sonntag
gewinnt der Alte Bund an Leuchtkraft und Vitalität.
Die große Lebensgewissheit, die Gott über Noah an uns weitergibt, sucht
uns von neuem heim.
April 2004: Einer für alle
Ich
für mich. Du für dich.
Was kümmerst du mich? Oder ich dich?
Wir können uns nicht aufhalten einer am andern. Wie kämen wir da weiter?
So schwarz gemalt wie diese Lebenshaltung ist der Karfreitag.
Am Ende nur der Tod.
Mein Tod für mich. Deiner für dich.
Was kümmert es dich? Oder mich?
EINER ist anders. EINER für alle.
Er bezeugt: Ihr kümmert mich.
Ihr kostet mich. Das Leben.
So unwahrscheinlich das klingt, so wahr hat es EINER gemacht.
Das ist die Lebenshaltung Gottes:
Jesus Christus für uns alle in den Tod.
Jesus Christus für uns alle zur Auferstehung.
Wir kümmern ihn.
Unser Tod und unser Leben.
Das ist Ostern: Leben für alle.
Für immer.
Wie kämen wir sonst weiter!
Dem EINEN haben wir es zu danken.
Mai 2004: First Lady
Die unbestrittene First Lady der katholischen Kirche ist Maria. Aber
viele bildliche Darstellungen und das Maß der Verehrung gehen oft am
Eigentlichen ihres Wesens vorbei. Maria ist keine Herrscherin in kühler
Distanz mit gönnerhaftem Blick und dem möglichen Dünkel der „Hoch-wohl-Geborenen“.
Viel näher und menschlicher als die Bilder der “Königin Maria”
erscheinen uns die Darstellungen der leidgeprüften oder der schützenden
Mutter. Eine moderne Darstellung der
„Schutzmantelmadonna“ zeigt Maria mit einem weit geöffneten Mantel.
Darunter sammeln sich Kinder, Erwachsene, Alte, Gesunde, Kranke,
Gebrechliche.
Maria selbst steht nicht im Mittelpunkt. Sie hält Christus hoch, der
ihren Mantel öffnet. Man könnte sagen: Christus öffnet durch Maria den
Schutzraum der Menschlichkeit. Und Maria lässt es zu.
Das nenne ich: sich in Dienst stellen. Typisch Maria.
Indem Maria Christus hoch hält und sich von ihm in Dienst nehmen
lässt, gibt sie mir einen Hinweis auf meine Möglichkeiten: Auch du
kannst durch Christus den Raum der Menschlichkeit vergrößern, wo du
lebst.
Halte Christus hoch!
Das bringt mir Maria so sympathisch nahe. Wirklich keine First Lady.
Wohl aber das, was ich
brauche und liebe: eine Mutter.
Josef Voß
Juni 2004: Aufeinander zu
Lebenswichtig: aufeinander zu.
Wir nehmen Menschen neben uns wahr, die uns nicht gleichgültig sind. Also
gehen wir auf sie zu. Wir fühlen uns allein zu schwach für eine Aufgabe
und sehen die Zukunft nur im Team. Also bewegen wir uns auf Partner zu.
Göttlich: aufeinander zu.
Das Schicksal des Menschen läuft aus sich ins Leere. Der Mensch rettet
sich nicht selbst. Darum greift Gott uns förmlich unter die Arme, gibt
sich als Brot in das Leben der Menschen. Er gibt sich selbst, damit uns
eine Fülle an Leben eröffnet wird.
Gott bewegt sich auf uns zu und bietet sich an.
Wir danken es ihm und versammeln uns an Fronleichnam, um ihn unter groß
sein zu lassen.
Menschlich: aufeinander zu.
Besonders deutlich wird unser „aufeinander zu“, weil in diesem Jahr
jede Gemeinde für sich das Fronleichnamsfest mit dem Gottesdienst
beginnt, sich dann auf den Weg macht, um die anderen zu treffen und erst
dann miteinander das heilige Mahl zu feiern.
Wir Menschen aufeinander zu, um gemeinsam Gott zu ehren.
Das lässt uns hoffentlich auch in Zukunft eine Fülle entdecken, die wir
nur finden können, weil Gott auf uns zukommt
Josef Voß
Juli 2004: F - i - n - e - r - e
Wenn man den Buchstabensalat schüttelt und sortiert, ergeben sich die
richtigen Worte für die Sommermonate in unseren beiden Gemeinden: Feiern
und Ferien.
Am Anfang des Monats Juli steht das Pfarrfest in St. Martinus, mit dem
sich die 200-Jahr-Feier verbindet. Zu dem gewohnt quirligen Treiben rund
um die Kirche gesellt sich eine Erzählrunde mit Alt-Richterichern, die
aus den guten alten Zeiten manche Anekdote zum Besten geben, und ein
Malwettbewerb für Kinder.
Zwei
Wochen später findet in der Heinrichsgemeinde das Patrozinium statt, das
in diesem Jahr ebenfalls ganz im Zeichen der 200-Jahr-Feier begangen wird:
Die großen Schulferien des Sommers lassen das gesamte Leben langsamer
gehen.
Erst im September finden wir in den gewohnten Rhythmus zurück, den wir
dann hoffentlich von neuem lieben können. Denn kaum etwas tut so gut wie
ein Alltag in Gelassenheit.
Josef Voß
September 2004: Begleiter
Mein neuer Begleiter stellt sich vor mit einem Schild in der Hand.
Darauf steht: Schutzengel.
Er schaut mich nachsichtig lächelnd an. Er weiß schon warum.
Seine Frisur ist ein wenig zerzaust. Ich weiß schon warum.
Dankbar für seine Begleitung leiste ich still Abbitte, dass er so viel zu
tun hat mit mir. Aber das scheint ihn nicht zu stören.
Das letzte Jahresdrittel ist in besonderer Weise “Engel-Zeit”. Der
September wird enden mit dem Fest der großen Engel: Michael, Gabriel,
Rafael.
Diese Boten Gottes sind wichtige Erinnerer und Mahnzeichen für uns.
Michael wird fragen: “Wer ist wie Gott?” - Es gibt keinen, der sich
mit Gott messen könnte!
Gabriel wird die Botschaft bringen, dass Gott sich einlässt in unser
tägliches Tun, um bei uns Mensch zu werden.
Rafael wird auch unser Wegbegleiter sein bei den Anfängen nach den
Ferien, aber ebenso auf den alten Wegen, die wir schon hunderte Male
gegangen sind.
Freuen Sie sich auf Gottes Engel, die Ihr Leben umgeben und wichtige
Botschaften mitbringen!
Sie sind zuverlässige Begleiter und lächeln nachsichtig, auch wenn sie
mit uns Arbeit haben.
Josef Voß
Oktober 2004: Gut geschlafen
Wie wohltuend, wenn man gut geschlafen hat. Die Ruhe und das Schweigen
glätten manche Wirrnisse und bringen viele drängende Fragen und Probleme
ins Gleichmaß zurück. Ob man gut schläft, hängt auch an der Umgebung,
in der man sich zum Schlafen hinlegt.
Vom kleinen Samuel heißt es im Ersten Bund der Bibel: „Samuel
schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand.“ Kann man sich
einen besseren Ort zum Schlafen vorstellen als dort, wo Gott ist mit
seinem Wort, mit seiner Gegenwart?
Jedenfalls hört Samuel im Traum seines Tempelschlafes die Stimme Gottes,
die ihn zum Dienst ruft. Und er wird ein wichtiger Prophet werden.
Wir werden mit Kindern eine Bibel-Lese-Nacht in unserer Kirche
verbringen. Kinder sollen in den Geschichten der Hl. Schrift Gott und die
Menschen besser kennen lernen: Abraham, Mose, Samuel, David, die
Erzählungen von Schöpfung und Bundesschluss, natürlich Jesus und seine
Jünger.
Danach werden wir uns mit den Kindern in der Kirche zum Schlafen hinlegen.
Es gibt keinen besseren Ort zum Schlafen als dort, wo Gott ist mit seinem
Wort, mit seiner Gegenwart.
Josef Voß
November 2004: Von vorgestern - doch sehr vital
Was mit dem Heiligen Geist gemeint sei, fragten wir die Firmbewerber.
Tatsächlich: er ist von vorgestern. Denn er ist seit Beginn der
Schöpfung die Initiative Gottes für alles Leben: Gottes Power, Gottes
Drive.
Seit Menschen leben, sorgt er für Zusammenhalt und Glück: Gottes
Touch, Gottes Liebe. Damit nichts ins Chaos zurückfällt, bleibt er
wirksam: Gottes Triebkraft, Gottes Atem. Gegen Vereinsamung und
Vereinzelung wirkt er Verstehen: Gottes E-Mail, Gottes Anwesenheit.
Selber neue Worte für den Heiligen Geist zu finden, forderten wir die
Firmbewerber auf. Es fällt schwer, denn es ist ungewohnt.
Doch was wäre das Auto ohne Motor, die Lampe ohne Strom, das Segel
ohne Wind? Was wäre unser Leben ohne den Heiligen Geist?
Wir erhoffen uns neue Schubkraft, wenn mehr als 50 junge Menschen in
der Firmung den Heiligen Geist empfangen: gegen Langeweile, gegen
Sprachlosigkeit, gegen Gleichgültigkeit unter uns.
Josef Voß
Dezember 2004: Lebendiges Licht
In gleißendes Licht getaucht, lächeln sich Stars in den Medien quer
durch unser Land. Die überdrehte Helligkeit dieser Szenerie hat etwas
Vernichtendes. Sie lässt keinen Raum für Menschliches. Nur kalte,
effektvolle Show.
Ein Licht kommt in die Welt - irgendwo, still, unbemerkt. Man muss es
suchen. Und dann behüten. Denn dieses Licht ist lebendig. Ein Kind ist
das Licht. Weinend, lächelnd, angewiesen. Das Kind will leben. Gott ist
das Kind. Gott will leben in der kalten, berechnenden Welt unserer
Tage. Gott kommt als das Licht überall dort, wo Menschen sind. Es
will leuchten, warm und lebendig. Aber man muss Gott suchen. Und dann behüten.
Josef Voß
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