Januar 2005: Auf der Durchreise
Ein Weltenbummler, so wird erzählt, sucht auf seiner Reise ein
Quartier. Er darf in einem Kloster übernachten. Erstaunt über die
spärliche Einrichtung, die nur das Notwendigste kennt, fragt er den
Mönch: „Wo habt ihr eure Möbel?“ Der Mönch fragt zurück: „Wo
sind deine Möbel?“ Der Reisende ist ganz verblüfft: „Ich bin doch
nur auf der Durchreise.“ Der Mönch: „Eben, das sind wir auch.“
Wir sind nur auf der Durchreise im neuen Jahr. Denn wir sind
Zeitenbummler, suchen Quartier in zwölf Monaten. Wir wissen, dass wir
weiter müssen. Doch wir tun oft so, als ob unsere jetzige Zeit zum
Bleiben eingerichtet sei. Aber sie ist nur geliehen.
Wir gehen in die Zeit des Jahres 2005 hinein. Wir füllen sie mit
unserem Leben und gehen hindurch. Niemand kann sagen, ob er sie ganz
durchschreiten wird. Wir gehen, so weit wir kommen.
Gott, der seit Weihnachten unser Weggefährte ist, lebt mit uns in
dieser Zeit. Ihm gehört sie.
Josef Voß
Februar 2005: Die Karten auf den Tisch
Viele Karten mit Symbolen liegen verdeckt auf dem Tisch. Jeweils zwei gehören
zusammen. Man darf eine Karte nehmen und muss aus den vielen übrigen die
passende suchen. Jeder darf zusehen und sich merken, was liegt wo. Man
darf solange ziehen, bis man eine falsche aufgedeckt hat.
Mit den Kindern haben wir früher unendlich Memory gespielt.
In der Fastenzeit kommen die Karten des Lebens wieder auf
den Tisch. Doch vieles von früher liegt unter der Schnelllebigkeit von
heute verdeckt. Die Fastenwochen vor Ostern geben Zeit, die Karten zu
wenden. Alte Erfahrungen aus Kindertagen, aus glücklicher Zeit werden
aufgedeckt und bewusst gemacht. Auch Erfahrungen mit Gott. Aus ihnen
können wir schöpfen wie aus einer Quelle.
Die Fastenzeit gibt Zeit für Memory. Probieren wir das
Memory unseres Lebens. Suchen nach dem, was uns wertvoll war. Auch wenn
die Erinnerung nur langsam kommt, wenn sie mühselig oder wehmütig sein
wird. Vieles von früher kann uns heute tragen.
Auch Gott. Aus ihm können wir leben. Er ist unser Ursprung. Oft ist er nur
verdeckt. Nach ihm suchen, bis wir ihn gefunden haben. Und dann wieder
bewusst mit ihm leben.
Josef Voß
März 2005: Das trifft sich gut
Leben - das ist so vielschichtig.
Das bin ich selbst. Das ist meine Familie, mein Beruf. Das sind
Beziehungen mit Freunden, Verwandten, Nachbarn, Kollegen.
Leben - das sind auch die verschiedenen Phasen, Jahreszeiten, Tage,
Stimmungen. Das sind Gesundheit und Krankheit, Hoffnung und
Enttäuschung, Erfolg und Versagen.
Das Leben ist bunt wie ein Mosaik.
Ein Lichtstrahl läuft wie eine Lebensader auf dem Bild
von G. Alfera durch die Vielfalt des Daseins. Er gibt der Zerstreutheit
aller Lebenserfahrungen eine Mitte. Da trifft sich alles, in der Mitte:
Alpha und Omega.
So steht es auch auf der Osterkerze: Jesus Christus - Alpha und Omega -
Anfang und Ende. Jesus Christus ist die Mitte. Bei ihm sammelt sich
unser Leben. Das trifft sich gut.
Josef Voß
April 2005: Zeugen
Sich zur Verfügung stellen mit Name und Gesicht. Für
jemanden eintreten, der mich braucht. Nicht feige zurückbleiben in der
großen Masse. Einstehen für eine Tatsache, für eine Überzeugung. Zeuge
sein. Das erfordert Mut und Selbstbewusstsein.
„Ihr sollt meine Zeugen sein.“ Das ist die Ansage des auferstandenen
Jesus Christus an seine Jünger. Das bleibt Auftrag für uns Christen auch
heute und für immer.
Wir treten ein für den Gott, der unter uns lebt und wirkt. Wir decken
seine Spuren in unserer Lebensgeschichte auf: wo wir Gott erkannt haben,
wo wir ihm nahe sind.
Frauen und Männer tun dies Jahr für Jahr in der
Sakramentenvorbereitung. Aber Katecheten sind kein Alibi. Zeugen sind
gesucht bei den Eltern der Kommunionkinder. Zeugen sind gesucht bei den
Jugendlichen, die im Winter gefirmt wurden. Für den Glauben einstehen
mit Name und Gesicht.
Niemand soll sich einfach wegstehlen. Jeder kann - und
darum muss er - Zeuge für Gott werden. Einstehen für ihn mit Name und
Gesicht.
Kommt heraus aus euren Gräbern der Anonymität! Kommt heraus aus den
Gräbern der Ängstlichkeit!
Ihr sollt Zeugen sein!
Josef Voß
Mai 2005: Liebe mal zwei
„Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, sie liebt mich..." Die Liebe
wird ausgezählt. Blütenblatt um Blütenblatt fällt zur Erde. In der
Hoffnung, dass es am Ende heißt: „Sie liebt mich." Auch in der
Wirklichkeit scheint die Liebe - oder was man dafür hielt - schnell zu
fallen.
Wer will sagen, was die Liebe ist?
Wenn die Bibel von der Liebe spricht, wird sie ernst und total:
„Stark wie der Tod ist die Liebe."
„Du sollst Gott lieben mit ganzer Kraft." „Die Liebe erträgt alles, glaubt
alles, hofft alles."
Liebe - weit mehr als Blütenblätterträume. Du liebst. Darum kannst du
das Leben annehmen. Frei und doch verbindlich. Du liebst. Darum wirst du
mindestens so viel Du sagen wie Ich.
Du liebst. Darum kannst du für den anderen mehr tun als für dich selbst.
Du liebst. Darum kannst du schenken, die letzte Kraft und deinen ganzen
Verzicht einsetzen. Du liebst. Darum kannst du dem ganzen Leben ins Auge
schauen, auch dem Dunkel.
Liebe mal zwei. Ernsthaft und total. Liebe will alles oder sie ist
nicht.
Die persönliche Antwort und die persönliche Festlegung auf die Liebe sind
entscheidend. Sonst lässt die Liebe nicht leben.
Glückwunsch allen, die sich lieben, die ihrer Liebe trauen.
Wir trauen sie Gott an.
Sie sind ein Kraftwerk der Liebe, Gottes Filiale in dieser Welt.
Josef Voß
Juni 2005: Open Air
Unsere Gemeinden leben und glauben „open air".
Es ist wichtig für unsere Gemeinden, aus den Behausungen herauszugehen,
sich zu zeigen, ansichtig zu werden. Gemeinde lebt vom gezeigten
Zeugnis.
Mit Fronleichnam ist die Saison Ende Mai eröffnet
worden.
Die Fußwallfahrt nach Moresnet steht für eine betende Kirche.
Das Dorffest in Horbach gemeinsam mit den Ortsvereinen - Mitte Juni -
steht für eine gesellige Kirche.
Das Zeltlager für Kinder steht für eine junge Kirche.
Das Pfarrfest in Richterich gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde -
Anfang Juli - steht für eine geschwisterliche Kirche.
Das sind Beispiele für unser Open-air-Zeugnis vor Ort.
Doch wir vergessen nicht das große Open-air-Zeugnis auf
dem Petersplatz: die Trauer während des Sterbens des Papstes und die
Freude am Ende des Konklaves.
Und wir erwarten gespannt das große Open-air-Zeugnis der
Begeisterung und Verständigung beim Weltjugendtreffen in Köln in diesem
Sommer.
Open air steht der Kirche und unseren Gemeinden gut.
Kirche muss sich sehen lassen. Kirche kann sich sehen lassen.
Josef Voß
Juli/August 2005:

September 2005: Glaubenswoche
:Es ist Zeit!
Ach du meine Zeit - Zeit ist Geld - gute Zeiten - schlechte Zeiten -
Schonzeit - Wo ist die Zeit nur geblieben - Die Zeit verfliegt -
Lebenszeit - glanzvolle Zeiten - keine Zeit - verschenkte Zeit - Zeit
gewinnen - zeitlos - Zeitzeichen - Zeit genießen - vertane Zeit - sich
Zeit nehmen - Zeit investieren - Zeitgeist - Jetzt ist die Zeit -Zeit
verlieren - Reifezeit - Zeit rauben - Zeiträume - Bedenkzeit -
vergeudete Zeit - Zeit im Wandel - So sind die Zeiten
Unsere Redewendungen sind eindeutig. Die Zeit berührt uns. Das muss nicht
wundern. Denn sie hat Einfluss auf unser Leben wie kaum etwas sonst.
Darum ist die Zeit Leitwort in unserer Glaubenswoche, in der wir über
unser Leben und unseren Glauben nachdenken.
Wir laden alle sehr herzlich ein, dabei zu sein. In diesem Regenbogen
finden Sie die genauen Informationen dazu.
Es ist höchste Zeit!
Es ist Willkommen-Zeit!
Josef Voß
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Oktober 2005: Wozu?
Jugendliche fragten: Wozu brauchen Sie Gott?
Der Gefragte antwortete: Zu gar nichts.
Großartige Antwort.
Er schob nach, Gott sei zu nichts zu gebrauchen.
Falsch, dachte ich.
Doch er hat Recht: Gott ist zu nichts zu gebrauchen. Genauso wenig
wie Menschen.
Warum tun sich Menschen ein Leben lang zusammen? Doch nicht um sich zu
gebrauchen, sondern um einander nahe zu sein.
Auch Gott ist nicht zu gebrauchen wie z.B. ein Einkaufswagen oder ein
Wagenheber oder ein Besen.
Gott ist ja nicht der Warenkorb, aus dem ich mich nach Herzenslust
bediene. Er ist nicht der Knecht, der mir über die Pleiten und Pannen im
Leben hinweg helfen soll. Er ist nicht der Saubermann, der Scherben oder
Unrat hinwegfegt. Gott ist zu all dem nicht zu gebrauchen. Es würde
seiner Ehre nicht gerecht.
Wozu brauchen wir Gott? - Zu gar nichts. Er ist da. Und wir sind da.
Ihm gegenüber.
Wir tun uns mit Gott zusammen, weil er unsere Gemeinschaft will. Wir
suchen seine Nähe, wie er die unsere sucht. Wir wollen einfach einander
nahe sein.
Wozu? Weil das zum Leben reicht.
Josef Voß
November 2005:
Menschen in
Verantwortung
In den nächsten Jahren kommen auf unsere Gemeinden so
tiefgreifende Veränderungen zu wie seit langer Zeit nicht mehr. Unter
den engeren Bedingungen personeller und finanzieller Art muss sich vieles
im Gemeindeleben neu orientieren.
Was ist wesentlich und muss erhalten bleiben?
Was müssen wir aufgeben?
Wo tun sich neue Partnerschaften auf, die wir eingehen sollten?
Wir brauchen Frauen und Männer in den Pfarrgemeinderäten,
die mit großer Feinfühligkeit für den Lebensraum St. Heinrich - St.
Martinus überlegen, beraten und entscheiden.
Und wir brauchen alle ab 14 Jahren, die wählen dürfen und darum auch zur
Wahl gehen.
Josef Voß
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Dezember 2005: Stalltür
Die erste Tür in das Leben hat sich für uns geöffnet, lange bevor wir
denken konnten.
Wir finden uns vor auf dem Weg durch das Leben. Manchmal gehen wir den
Weg bewusst und zielstrebig. Oft genug werden wir geschoben, hin und her
gezerrt.
Tausende Türen, auf die wir treffen. Türen, die andere für uns
öffnen. Türen, die wir selber aufstoßen. Türen, die verschlossen
bleiben. Jede Tür stellt eine Herausforderung dar: Werden wir durch
diese Tür weiter gehen können und auch wollen? Oder werden wir nachher
wünschen, diese Tür hätte sich nie aufgetan?
In den Rorategottesdiensten des Advents forschen wir nach der
Bedeutung der Türen für uns. Wir fragen die Heilige Schrift und stärken
uns in der Hoffnung, dass Gott uns beisteht. Spätestens die letzte Tür,
die uns in das bleibende Leben führt, durchschreiten wir nicht aus
eigener Kraft. Dazu brauchen wir Gottes Hilfe.
An Weihnachten öffnet sie sich einen Spalt breit im Dunkel der
Heiligen Nacht. Da scheint herein, was uns hinter der Tür erwartet. Da
leuchtet Gottes Menschenfreundlichkeit in unser Leben.
Die Weihnachtstür bedeutet eine große Verheißung: Was hier beginnt, das
wird wachsen. Der Lichtstrahl von Betlehem wird einmal das große Licht
des Lebens für uns sein.
Staunend und dankbar stehen wir vor der Stalltür Gottes.
Josef Voß
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