Januar 2006: Willkommen
Gott sei Dank. Da bist du.
Wir wissen schon länger, dass du kommen wirst. Und nun, da wir dich
haben, ist es noch einmal ganz anders. Können wir dir gerecht werden?
Deiner Zukunft, deinen Hoffnungen, deinem Leben?
Wir wollen es versuchen, indem wir dich annehmen. Wir beginnen mit dir
und mit uns selber neu. Was werden wir da erleben?
Gespannt sind wir. Du vielleicht auch.
Weil Gott dich uns schenkt, wird alles gesegnet sein:
Du und wir, unsere Zeit, unser Tun und unser Lassen.
Werde uns nahe und lass uns dir nahe sein. Willkommen!
Josef Voß
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Februar
2006: Verkleidungen
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Du bist eine Fee und wirfst uns deine guten Wünsche zwischen die Füße.
Vergiss ihre Erfüllung nicht.Du bist ein Clown und verführst uns zum Lachen zwischen den Sorgen.
Vergiss seine Heiterkeit nicht.
Du bist ein Engel und strahlst uns an mit deinem überirdischen Glanz.
Vergiss seine Helligkeit nicht.
Du bist ein Komödiant und singst uns deine Lieder von Sorglosigkeit und Freiheit.
Vergiss ihre Leichtigkeit nicht.
Du bist ein Prinz und entführst uns in närrische Zeiten.
Vergiss ihren Frohsinn nicht.
Du bist anders als sonst in deiner Verkleidung an tollen Tagen.
Vergiss dich selber nicht.
Josef Voß
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März 2006: nicht über Hektik klagen - die
Stille suchen
Viele stöhnen über Stress und Hektik. Manches davon ist hausgemacht,
anderes überfällt uns.
Unsere Pfarrgemeinden St. Heinrich und St. Martinus setzen in der
Fastenzeit etwas dagegen.
Sie bieten Ruhe und Besinnung an.
Wählen Sie also aus:
- die Bezeichnung mit dem Aschenkreuz,
- unsere Gottesdienste, besonders mittwochs 18:30 Uhr und donnerstags
19:00 Uhr,
- die ‚Aus-Zeit' mit Gebet, Stille und Taizé-Gesängen, freitags 18:30
Uhr,
- die schöne Musik, 5. + 26. März,
- den ökumenischen Kreuzweg, 10. März,
- das Glaubensgespräch, 14. März,
- den Film 'Chocolat', 21. März,
- das Kreuzweggebet mit den Senioren, 23. März,
- das Fastenessen für Misereor, 2. April,
- eine Wanderung mit Gespräch, Stille, Gebet, 9. April,
- die Feier der Versöhnung, 11. April,
- die Frühschichten, 10. + 11. + 12. April,
- ein Beichtgespräch,
- und die Feier der Kar- und Ostertage.
Gehen Sie mit uns in die Tiefe des Lebens und des Glaubens.
Es wird Ihnen gut tun.
Josef Voß
April 2006: Glaube geht
Der Glaube hat es oft schwer.
Er darf sich nicht festnageln lassen in Worthülsen. Er darf nicht
eingeschlossen werden im Tresor der Sicherheit, in fremder Sprache
festgelegt, mit Worten und Sätzen geordnet, wissenschaftlich überprüft.
Glaube muss neu aufstehen, er muss laufen lernen.
Emmaus ist ein Aufruf! Da gehen zwei Jünger im Dunkel des Karfreitags
und zerstörter Hoffnungen. Ihr Glaube, fast abgestorben, gerät von neuem
unter ihre Füße. Da findet er sich wieder.
Glaube muss ergangen werden, damit er lebendig bleibt.
Als der Auferstandene sich zu den Zweien gesellt, fährt neue Zuversicht
in ihre Schritte. Da teilt einer das Dunkel ihres suchenden Glaubens und
schafft den Ausweg für sie.
Im Staub trauriger Menschenstraßen geht der Glaube von neuem auf.Menschen
aller Generationen kennen diese Erfahrung.
Wer jedoch den staubigen Weg nach Emmaus scheut, bleibt im tastenden
Dunkel hängen.
Wer allerdings aufbricht und den Glauben unter seine Füße nimmt, der kann
die Weite Gottes und seines Osterlebens erfahren.
Josef Voß
Mai 2006: Wann kommt neues Leben?
Die Sehnsucht nach Frühling, frischem Grün, sich entfaltenden Blüten,
wärmeren Temperaturen und Sonnenschein ist in diesem Jahr so groß wie
selten. Wir haben Lust auf neu erwachendes Leben!
Wann neues Leben kommt, ist jedoch nicht nur eine Frage des Klimas und
des Wetters. Es ist eher eine Frage, die sich an unser Menschsein
stellt.
Im Mai, in der Verehrung der Mutter Maria, erschließt sich eine
Antwort. Das Ja Marias ist ihr großes Bekenntnis zum Leben.
Seitdem gilt: Neues Leben kommt, wenn auch wir dazu Ja sagen.
Ja zum Leben, das wir selber zeugen und empfangen.
Ja zum Leben, an das wir uns auf ewig in Treue gebunden haben.
Ja zum Leben, das durch Not und Krankheit muss.
Ja zum Leben, das manche Kurve kratzt, die wir nicht vorsehen konnten.
Ja zum Leben, das im Einerlei der Jahre langweilig geworden ist.
Ja zum Leben, das sich in der Einsamkeit wund scheuert
Ja zum Leben, weil es kein unwertes Leben gibt
Wir haben Sehnsucht nach neuem Leben, frisch und grün wie der Mai.
Unser Ja zum Leben ist die Tür, durch die es eintreten kann.
Josef Voß
Juni 2006: Sturmansage

Im Büro des Heiligen Geistes gingen folgende Notrufe mit der Bitte um einen neuen Geist-Sturm ein:
Teheran: Bitte Sturm, damit sich die festgefahrene Haltung im Atomstreit aufweiche.
Washington: Bitte Sturm, damit sich die Überheblichkeit der Weltpolizei ändere und sie mit internationalen Institutionen zusammenarbeite.
Chile und Bolivien: Bitte Sturm, damit nach den Wahlen tragfähige und gerechte politische Neuanfänge möglich werden.
Deutschland: Bitte Sturm, damit faire Bedingungen für Patienten, Pflege- und Ärztepersonal in den Tarifauseinandersetzungen gefunden werden.
Horbach/Richterich: Bitte Sturm, damit eine neue Lebendigkeit in die Christen fahre, die mehr als 50 Kommunionfamilien und 60 Firmlinge begeistern sollen.
Ein neuer pfingstlicher Geist-Sturm ist nötig. Und der ihn schicke, der möge uns auch heil, aber verändert wieder herausbringen.
Josef Voß
Juli/August 2006: Frische Luft
Im
Sommer halten wir uns an der frischen Luft auf. So viel wie sonst kaum.
Durch die Felder und Wiesen laufen. Ausatmen, was uns schwermütig macht
und bedrückt.
Dem Singen der Vögel lauschen. Stress, Ärger, Sorgen langsam abgeben
lernen. Schwalben und Libellen zuschauen. Die Leichtigkeit des Lebens
anschauen. Das Wachsen der Saat beobachten.
Von neuer Lebensenergie träumen. Im Garten nach dem Rechten sehen. Auf
dem vertrauten Boden Lebensfestigkeit gewinnen.
Die Frische des Sommers kann uns dies alles schenken.
Nicht nur in den Bergen oder an der See tut die Luft gut. Auch unsere
Heimatluft im schönen Grenzland wird uns erfrischen und heilen.
Frische Luft des Sommers, ein kühles Getränk, ein Schwätzchen mit
Freunden, ein Spaziergang am Abend, die Fahrradtour am Sonntag, nachdem
wir Gott gedankt haben, der alles Gute für uns bereit hält - all dies
hat etwas von wirklichen Ferien.
Josef Voß
September 2006: Geheimnis-voll
Unser Glaube ist immer eine Suche, ein Tasten nach dem Urgrund.
Geheimnisvoll ist der Glaube. Er führt uns in die Sphäre einer anderen
Welt. Er schafft Berührungspunkte mit dem Unausschöpflichen und dem
Unaussprechlichen. Das macht den Glauben so reizvoll. Darum kommen wir
mit ihm nie an ein Ende.
Mit vielen Kindern und ihren Familien werden wir bald den Kommunionweg
beginnen. Wir brechen auf in unbekanntes Land. Ahnungen haben wir schon:
Da wartet Gott auf uns. Er will sich erkennbar machen, sich freundlich
zugesellen. Aber wer er wirklich ist? Was für ein Geheimnis!
Mit sechzig jungen Menschen sind wir auf dem Weg zur Firmung.
Wir fragen nach unserem Leben, wohin es uns bringen soll. Dabei halten
wir die Frage nach Gott wach und suchen Wegmarkierungen, die Jesus uns
gibt. Was kommt aus der Welt Gottes auf uns zu? Welche Kraft wird uns
geschenkt? Was wird sie mit uns tun? Was für ein Geheimnis!
Mit den vielen, die mit uns den Glauben sonntags feiern, machen wir uns
fest in der Nähe eines menschlichen und doch fernen Gottes. Wir können
nicht von ihm lassen, und fassen ihn doch nicht. Was für ein Geheimnis!
Das hält uns in Spannung. Es wird nicht langweilig in unserem Glauben.
Wir bleiben auf dem Weg. Sie auch?
Josef Voß
Oktober 2006: Herbst
Im Herbstlicht bekommen die Dinge einen anderen Glanz. Mit der Farbe der
Ernte färbt sich der Abschied ein. Beim Spaziergang durch die
herbstliche Natur sehe ich in den vollen Farben Ertrag und Bilanz. Alles
schmeckt nach "Noch einmal".
Doch ich nehme wahr, dass mit dem Herbst schon wieder ein Jahr langsam
Abschied nimmt. Mir wird bewusst, dass die kommenden Jahre nicht so voll
sein können wie die letzten. Von den Erträgen des prallen Gemeindelebens
werden wir uns nähren müssen. Und von der Fülle des liebgewonnenen
Mitarbeiterstamms werden wir uns verabschieden müssen. Dieser Herbst
schmeckt nach "Ein letztes Mal".
Wenn der Herbst zu Ende geht, wird vieles nicht mehr wie früher sein
können.
Wir werden mit weniger Personal und dessen Arbeit für die Gemeinde
auskommen müssen.
Hoffentlich wird sich die Fülle der Frauen und Männer, der Kinder und
Jugendlichen in unseren Gemeinden nicht auf den Erträgen der
Vergangenheit ausruhen. Denn wir haben ein gutes Erbe zu bewahren: die
Lebendigkeit unserer Gemeinden, die Nähe zu den vielen Menschen in
unseren Ortsteilen, die Lust an der Sache Gottes mit uns allen.
Nach dem Herbst werden wir andere Wege gehen müssen. Sie werden enger
sein als die heutigen. Aber sie werden Wege sein. Neu und ungewohnt, und
doch gangbar und immer auf ein gutes Ziel hin.
Josef Voß
November 2006: Habenichtse
Da gründet einer eine Bank, die Kredite an Menschen vergibt, die nichts haben.
Je weniger einer hat, um so größer kann sein Kredit sein.
Diese Nachricht müsste man sich in Frankfurt oder an der Wall Street vorstellen!
Sie ist so revolutionär wie ein Frieden zwischen Palästina und Israel.
Den Habenichtsen etwas geben - das ist Friedensarbeit nobelster Art. Sie hat den
Nobelpreis verdient. Glückwunsch Herr Yunus in Bangladesh!
Nicht die Habenden, nein die Habenichtse brauchen den Kredit. Und sie bekommen
ihn. Den Habenichtsen auf die Füße helfen, damit sie ihr Leben in Gerechtigkeit
aufbauen können. Was für eine Vision!
Wir alle sind Habenichtse. Wir leben zwar unser Leben, aber wir besitzen es
nicht. Wir stehen vor großen Aufgaben, und tun uns schwer, sie zu erfüllen. Wir
tragen Verantwortung und werden ihr oft kaum gerecht. Wenn wir die Bilanz
unseres Lebens ehrlich offen legen ...
Wir Habenichtse brauchen Kredit. Und Gott gibt ihn uns. Je größer unser
Unvermögen, um so größer sein Kredit: seine Zuwendung, sein Aufrichten, sein
Lebenszuspruch.
Herr Yunus und unser Gott - wie ähnlich sie sich sind!
Ich finde, Gott hätte auch einmal den Nobelpreis verdient.
Josef Voß
Dezember 2006: Währung
Die großen Währungen der Welt sind uns geläufig: Euro, Dollar, Pfund, Yen.
In diesen Währungen wird gezahlt und gerechnet. Es scheint, dass sich das Leben
zwischen Euro und Dollar abspielt. Geld als berechenbare Lebensqualität. Wehe
dem, der es nicht hat!
Aber ebenso wehe dem, der sich nur noch mit barer Münze das Leben einkauft!
Weihnachten gibt uns eine neue Währung an die Hand. Seitdem Gott Mensch
geworden ist, ist die Menschlichkeit die Währung, die alle besitzen und
die jeder täglich münzen kann. Diese Währung geht nicht aus. Sie spielt an
der Börse keine Rolle. Aber in unserem Zusammenleben ist sie von
unschätzbarem Wert.
Wir werden in unseren Gemeinden auch in Zukunft versuchen, selbst mit
knapperem Personalstand mit der Währung Menschlichkeit großzügig
umzugehen. Wir sind dankbar für jeden, der es uns leicht macht und seine
Ansprüche an unsere haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter maßvoll hält.
Das zeichnet uns als Geschwister des menschgewordenen Gottes aus: dass
wir uns gegenseitig an Menschlichkeit übertreffen.
Josef Voß