Das Jahr 2007 liegt ja vor uns - ein weites Feld voller Geheimnisse.
Das Jahr wird uns vor Aufgaben stellen - in großer Verantwortung und
schwerer Bürde.
Das Jahr wird uns überraschen - viel Kraft wird uns zukommen müssen.
Das Jahr wird uns heimsuchen - manch bittere Nachricht wird uns treffen.
Das Jahr wird seinen Weg gehen - zwölf Monate geschenkte Zeit sind zu
füllen.
Das Jahr nährt sich auch aus den Hypotheken des letzten Jahres - Lasten
sind zu bewältigen.
Das Jahr hat Neues im Gepäck - völlig Unbekanntes werden wir erleben.
Februar 2007: Tu dich rein!
Genieße den Februar!
Er hat alles, was in deinem
Leben Platz findet.
Er ist gemächlich zu Anfang
und folgt seinem ruhigen Lebensschritt. Geh so deinen Weg!
Er feiert die Liebe am
Valentinstag. Suche deine Liebe wieder auf! Stecke sie an und finde das
Schöne darin.
Doch dann dreht der Februar
auf und feiert ausgelassen in bunten Kostümen. Lass dich mitreißen von
der Fröhlichkeit und Farbigkeit deines Lebens! Nimm nicht alles
todernst. Es reicht, wenn du es bei den wirklich wichtigen Dingen tust.
Er kriegt das Aschenzeichen
und nimmt scharf die Kurve, der Februar. Das ist seine Aufforderung an
dich. Dreh dich um! Wende dein Leben zum Besseren. Es hat es verdient.
Nimm den normalen stetigen
Schritt wieder auf. Lenke dich auf Wege, die notwendend sind und deshalb
Glück verheißen.
Tu dich rein! Ganz und gar
in den Februar.
Josef Voß
März 2007: Sieh dich an!
Es soll ein Abend zum Durchatmen werden, eine Insel im hektischen
Fluss der Zeit. Dieser Abend will uns die ruhige Seite unseres Lebens
zeigen, die ja auch zu uns gehört.
Also tauchen wir ein in die ganz andere Welt der schweigenden Mönche.
Wir wandern durch ihr Leben.
Geräusche gibt es wenige. Nur das Klappern von Küchengeräten oder
Werkzeugen, das Knarren und Quietschen von Türen oder Fenstern. Wohl
klingt das gemeinsame Beten und Singen der Mönche frisch in unser Ohr.
Der Film "Die große Stille", den wir im März zeigen, atmet im
regelmäßigen Rhythmus des Schweigens. In diesem Schweigen schauen uns die
Mönche in Großaufnahmen an.
Der Film ist ein Symbol für die Echtheit des Lebens: keine Seichtheit,
keine schrillen Momente, keine Effekthascherei. Nur das Nötige und
Wichtige. Das aber gründlich und schön. Gott und der Mensch. Ganz einfach,
aber wahrhaftig.
Der Film ist eine Aufforderung an uns: Lass dich anschauen von diesen
stillen Menschen! Suche mit ihnen nach der Echtheit deines eigenen Lebens.
Suche Abstand vom Stress deiner Tage. Suche den Boden, auf dem du stehst.
Suche das, was wesentlich ist. Suche nach dir selbst und suche nach Gott.
Was die Mönche tun, tue selber: Sieh dich an!
Josef Voß
April 2007: Lebenszeichen
Der Weg über unsere
Friedhöfe offenbart, ob wir glauben und was wir glauben.
Da ist immer wieder das
Kreuz. Todeszeichen des Einen auf Golgotha. Lebenszeichen aus dem Glauben
der Auferstehung für die Vielen, die Christus folgen durch den eigenen
Tod: Kreuz des Lebens.
Da ist die Stele des
Weizenkorns, das in der Erde vergeht und neues Leben gebiert.
Da ist eine Treppe, die
durch das Tor zum Leben führt und in die Weite der Ewigkeit weist.
Da ist das Wort vom
Schöpfer des Lebens, von der Heimkehr zu ihm und das Wort von dem, der
unser Leben und Sterben in seiner Hand hält.
Der Weg über die Friedhöfe ist der Weg durch die Heilige Woche: Karfreitag
und Ostern. Tod und Auferstehung.
Symbole und Worte drücken
unseren Glauben aus. Sie sind Ausrufezeichen unserer Hoffnung. Denn am Ort
des Todes sprechen wir vom Gott des Lebens. Ostern wird auf den Friedhof
geholt.
Ostern kommt von Gott. Aber
Ostern geht weiter durch das Zeugnis, das wir geben. Es hat Raum in einem
bildhaften Glauben und in einer sprechenden Hoffnung. Es durchwirkt das
Leben in den Zuwendungen, die wir einander schenken. Wir sind dankbar für
alle diese Lebenszeichen.
Josef Voß
Mai 2007: Premiere
Der erste Schultag, das erste Vorspielen auf dem Klavier, die erste Freundin,
die erste Arbeitsstelle - das hat alles etwas Besonderes:
eine Spannung,
eine Freude,
eine Unsicherheit und
das Glück der Premiere.
Unser Leben ist durchwebt
mit Premieren. Wir leben damit und meistens erinnern wir uns gerne an sie.
Eine besondere Premiere feiern wir in unseren Gemeinden. Frank Schürkens wird am
26. Mai 2007 im Dom zum Priester geweiht und feiert mit uns seine erste
Eucharistie an Pfingsten: seine Primiz.
Die Freude über seine Entscheidung, unsere gemeinsame Zeit während seines
Diakonatsjahres, die Nervosität des Anfangs werden diesen Tag prägen.
Wir lassen uns anstecken von der Freude dieses Ereignisses und deuten es für uns
als pfingstliche Ermutigung für unser Christsein. Menschen bringen ihr Leben in
Verbindung mit dem Weg Jesu. Jeder wählt seine Form dieses Weges. Und wenn er
sie gewählt hat, wird er noch manche Premiere erleben mit ihrer Spannung und mit
ihrem Glück.
Josef Voß
Juni/Juli 2007: zurückschalten
Im Auto einen Gang zurückschalten müssen, ist für viele ein Gräuel.
Denn sie müssen langsamer werden. Vielleicht weil einer vor ihnen träumt
oder die Ampel Rot zeigt. Wer eilig ist und schnell an ein Ziel will,
der schaltet nicht zurück.
"Der Eilige und der Gelassene treffen sich
an der Fähre", las ich bei Jörg Zink. Ein Afrikaner habe erzählt, dass
die Menschen in seiner Heimat früh zum Fluss gehen, über den es keine
Brücke gibt. Nur eine Fähre. Und alle - die Eiligen und Langsamen, die
Jungen und Alten - treffen sich an der Fähre, um den Fluss zu
überqueren. Die Fähre macht sie wieder gleich.
Warum nicht von der
Geschichte lernen?
Freiwillig einen Gang zurückschalten. Dafür muss man nicht im Auto
sitzen. Die Eile aus dem Tagesablauf herausnehmen und ruhiger zu Werke
gehen. Die Ungeduld in den Erwartungen an andere bremsen und ihnen Zeit
einräumen. Die Überforderung an sich selbst zurückdrehen und sich Raum
zur Entfaltung gönnen. Den Erfolgsdruck aus dem eigenen Tun ziehen und
etwas schief gehen lassen können.
Die Sommerzeit hat für viele eine große Pause bereit. Das wäre eine
Gelegenheit, den Gang im normalen Lebensablauf mal zurückzuschalten.
Zeit finden und erkennen, dass das hochtourige Leben keineswegs immer
ein Genuss ist. Darum zurückschalten und das Leben leben lassen.
Josef Voß
August 2007: Alltag
In den Ferien sah ich das Schiff.
Es lag fest vertäut sicher im Hafen.
Das ist das Bild für mich. Ich
bin wieder angekommen. Festgemacht im Hafen des Alltags.
Es stimmt: Der Alltag bindet mich häufig. Aber diese Bindung schreckt mich
nicht. Der Alltag hat immer wieder dieselben bewährten Wege. Aber das
Wiederkehren des Bewährten reibt mich nicht auf. Ich empfinde es auch als
Erleichterung. Denn es gibt mir Sicherheit. Ich schlingere nicht ständig
zwischen Überraschungen hin und her. Ich kann im Lauf des Normalen leben.
Das schont die Nerven und spart Energien. Das ist gut.
Denn es wird irgendwann unverhofft Dinge geben, die plötzlich und mit
großem Kraftaufwand zu bewältigen sind. Dafür kann ich meine Reserven
aufheben. Dann kann ich sie gut gebrauchen.
Auch der Alltag hat seine Gnade.
Josef Voß
September 2007: Lauter
Was lauter ist, rein, echt, das tut unserem Leben gut. Lautere
Menschen leben ohne Verstellungen. Wir treffen sie in ihrer Wesensmitte
an.
Die Heilige Schrift unseres Glaubens sagt in Psalm 12:
"Die Worte des Herrn sind lautere Worte."
Diese Worte tun unserem Leben gut. Denn sie wollen das Leben umarmen
und bejahen.
Diese Worte lassen uns in das Herz Gottes schauen. Da lebt er für uns.
Da ist er in Sorge um uns, wenn wir uns in unlautere Geschäfte
verstricken. Seine Worte zeigen andere Lebensführung an.
Da ist er traurig über uns, wenn wir unlautere Pläne hegen und ausführen.
Seine Worte tragen die Versprechen der Befreiung und des Heilens.
Die lauteren Worte Gottes haben immer die Absicht, unser Leben auf
lohnenden Weg zu führen, es zu retten, es für immer bei Gott zu bergen.
Die lauteren Worte Gottes tragen in sich das Leben des Himmels. Wir können
sie wahrnehmen. Wenn wir sie hören - tiefer als mit den Ohren -, dann
können wir das Leben aufnehmen.
Wenn wir das Leben aufnehmen, werden wir selber zu lauteren Menschen und
tun dieser Welt gut.
Josef Voß
Oktober 2007: Gast sein
Seien Sie bitte mein Gast!
Da lädt mich jemand ein. Er will mir Gutes. Ihm ist offensichtlich an
mir und meinem Wohlergehen gelegen.
Im Grunde sind wir alle und
jederzeit Gäste.
Wir sind Gäste in diesem Leben. Weder haben wir das Leben noch haben wir
die Zeit gemacht. Aber wir sind gastlich in das Leben aufgenommen.
Wir sind Gäste in der Schöpfung. Niemand von uns verantwortet die
Schöpfung in ihren großen Zusammenhängen. Sicher, wir arbeiten darin mit
den Kräften unseres Körpers, mit den Fähigkeiten unseres Verstandes und
mit vielen technischen Hilfsmitteln. Doch die Rahmenbedingungen sind uns
gegeben und reizen mit ihren Geheimnissen nach immer tieferem
Erforschen. Wir sind eifrige Gäste im Erkennen des
Schöpfungsgeschehens. Der Herbst lässt uns das Gastsein in der Schöpfung
ganz tief schmecken. Der Biss in den reifen Apfel, die leckeren neuen
Kartoffeln, der Blick über die warmen Farben - alles das nicht von uns
gemacht. Bestenfalls haben wir mitgeholfen, aber zum Genießen und Teilen
ist es geschenkt.
Es ist eine Lust, bei Gott Gast in seiner Schöpfung
zu sein! Denn ihm ist an seinen Menschen und deren Wohlergehen alles
gelegen.
Josef Voß
November 2007: Vergänglichkeit
Selbstbewusst zeigt ihn die Werbung eines Kreditinstituts: "Meine
Villa, meine Yacht, mein Reitpferd..." Fotos all dieser Erfolge fliegen
durch die Gegend. Das ist der Gewinnertyp!
Ich bin es nicht. Ich bin Arbeiter auf den Baustellen meines Lebens. Und
nach langem Mühen gibt es dort immer noch viel Unvollendetes. Manche
Baustelle liegt schon hinter mir. Was blieb?
Ich erinnere mich an ein
Wort von Henning Luther: "Wir sind immer auch gleichsam Ruinen unserer
Vergangenheit, Fragmente zerbrochener Hoffnungen, verronnener
Lebensentwürfe, vertaner und verspielter Chancen."
Keiner kennt nur Gelingen und Erfolg. Mögen die flotten Sprüche auch noch
so tönen.
Der November lässt mich meine Wirklichkeit ehrlich anschauen. Alles, was
ich bin, und alles, was ich tue, trägt den Keim des Vergänglichen und des
Unvollendeten in sich. Das ist meine Natur. Meine Menschlichkeit.
Die
Botschaft des Glaubens sagt mir: Damit kannst du leben. Nicht deine
Erfolge zählen. Wohl dein echtes Mühen. Auch deine Arbeit.
Die Vollendung steht in der Hand eines ganz anderen.
Auf den will ich mich verlassen.
Josef Voß
Dezember 2007: Gott fällt tief
Keine Invasion
zur Zwangsbefreiung
mit Bombenteppich und Granatenhagel
Kein Event
arenamäßig aufgemotzt
mit Show und Promis
Gott kommt
das Licht in Dunkelheiten
in Deinen
Bis in die Tiefe fällt das Licht ein, weil tief unten die
Dunkelheit am größten ist.
Tief unten kommt Gott an, damit wir auch dort nicht alleingelassen sind.
Lichtvolle, gesegnete Weihnachten!
Josef Voß