Januar 2009: Passt die Zeit?
"Wird die neue Zeit dir passen? Ist sie dir zu groß, zu klein?
" so singen unsere Chöre in einem Lied von Manfred Siebald.
Die Zeit anziehen können wie einen Mantel, das wäre ein schöner
Wunsch am Anfang des neuen Jahres.
Wie gerne würde man sich in einen Mantel hüllen, der anschmiegsam
ist und doch Raum für Bewegung lässt. Ein Mantel, der in der Wärme kühl
hält, in kalten Zeiten aber Nestwärme bieten kann. Ein Mantel, der wie
eine Berufskleidung Schutz vor allem Schlimmen sichern kann.
Aber hat unser Mantel 2009 vielleicht ein teures Etikett, dessen
Ruf er gar nicht gerecht werden kann? Oder müssen wir das ganze Jahr
über einen edlen Mantel tragen und wären doch viel lieber im Jogginganzug
unterwegs?
Wollen wir unseren Mantel teilen wie der heilige Martin oder ist er nur
unser Eigentum?
Auch das Jahr 2009 hält Fröhliches und Trauriges, Nachrichten vom Leben
und vom Sterben, Stunden der Mühen und Stunden der Erholung für uns
bereit.
Dass diese Zeit Ihnen "passt", dass Ihr Mantel Ihnen
immer Schutz bietet, das wünscht Ihnen
Angelo Scholly
Februar 2009:
"Humor ist nichts anderes als eine Erscheinungsform der Religion -
nur wer über den Dingen steht, kann sie belächeln."
(Pater Brown)
Im Karneval erleben wir, dass zum rheinischen Katholizismus Menschen
gehören, die sich und die Religion von außen betrachten können und über
Manches lachen und andere zum Lachen bringen können.
So ein Verhalten ist gegen jeden Fundamentalismus. Vielleicht wäre das
eine Chance für diese Welt: eine Frömmigkeit, die sich ihrer eigenen
Komik bewusst ist. Denn die Religionen sind voller Widersprüche. Humor
greift sie spielerisch auf und hat Freude an dieser Tatsache.
Der Kölner Kabarettist Jürgen Becker schreibt in diesem Zusammenhang
Folgendes: "So räumt der rheinische Katholizismus im Volksmund stets
denen, die es mit Glauben nicht so genau nehmen, die größeren Chancen
auf das Himmelreich ein…:
Ein Erzbischof und ein Taxifahrer stehen vor dem Himmelstor. Petrus
lässt nur den Taxifahrer ein. Der Erzbischof ist entrüstet: ‚Mein ganzes
Leben habe ich rechtschaffen von Gott gesprochen und diesen
verkehrsündigen und verwegenen Taxifahrer lässt du ein?' Da sagt Petrus
mit weiser Stimme: ‚Mein Freund, wenn du von Gott gesprochen hast, sind
alle eingeschlafen. Aber wenn er gefahren ist, haben alle Fahrgäste
gebetet!'"
In einer seiner Büttenreden sagt Diakon Willibert Pauels: "Das Wesen
Gottes ist das Gegenteil von Schwermut, das Göttliche ist heiter, leicht
von überfließendem Glück. Wenn der Mensch lacht, ist er leicht wie ein
Engel."
Viel Humor, viel gemeinsamen Spaß - nicht nur in der
karnevalistischen Zeit!
Christa Baggen, Gemeindereferentin
März 2009: Pflügen
"Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt. Er pflüget den Boden, er
egget und sät", haben wir in der Schule gesungen.
Tatsächlich geht es im März in der Natur wieder richtig los. Da will es
keimen, knospen und wachsen. Der Winter ist vorbei, das Frühjahr steht
bereit.
Darum tut der Bauer gut daran, seine Felder vorzubereiten für das, was
wachsen soll in diesem Jahr.
Wir lassen uns von der Natur mit ihrem weisen Kreislauf etwas zeigen für
unser Leben. Denn auch da soll es wachsen, blühen und schließlich Frucht
tragen.
Lasst uns also mit dem Pflügen beginnen!
Verkrustungen müssen aufgebrochen werden: Winterliche Zustände von
Gleichgültigkeit.
Falsche Haltungen müssen verworfen werden: Sich selbst immer wieder über
den Nächsten zu stellen.
Irrige Meinungen müssen verändert werden: Die Menschen seien schlecht
und unverbesserlich.
Fehlgeleiteter Glaube muss neu ausgerichtet werden: Gott sei doch egal,
was in der Welt und in der Kirche passiere.
Wir haben zu arbeiten im März - zu pflügen, zu eggen und zu säen. Denn
es soll doch etwas werden mit diesem Jahr!
Josef Voß
April 2009: Triumphgesang
"Erschalle laut, Triumphgesang" - so singen wir wieder an Ostern und
hoffentlich rührt Sie die Festlichkeit des Liedes an. So großartig kann
Ostern klingen...
Szenenwechsel: zwei Menschen sterben in Köln durch den
Häusereinsturz, 16 Menschen kommen beim Amoklauf in Winnenden ums Leben,
unzählige Menschen verlieren Angehörige durch heimtückische Krankheit
oder durch Unfälle - in solchen Fällen die Auferstehungshoffnung oder
besser: den Auferstehungsglauben in sich zu tragen, das ist nicht
leicht.
"Es ist noch niemand vom Himmel zurückgekommen und hat berichtet", so
sagen die Leute manchmal. Die Auferstehung ist das Zentrum unseres
Glaubens, und doch so unglaublich schwer mit unseren Maßstäben zu
ermessen und greifbar zu machen.
Wie sehr wünsche ich, dass uns dieser Glaube tragen kann im Leben.
Wie sehr hoffe ich, dass bei unseren Kommunionkindern die Wurzeln aus
diesem Glauben nun wieder etwas tiefer gründen. Wie sehr ersehne ich,
dass uns der Glaube Trost gibt im Leid und Hoffnung weist im Blick auf
den Tod.
In dem Osterlied singen wir doch weiter: "Und Todesfurcht ist nicht
mehr da. Halleluja!" Dass auch Sie dort einstimmen können, das wünscht
Angelo Scholly
Mai 2009: Stiles Gespräch vor Maria

Kerzenständer an der Maria
Könnte er sprechen: von den vielen Wünschen, Anliegen, Enttäuschungen,
Schmerzen, Trauer, Mutlosigkeit, von Hoffnungen, von der Freude, von der
Dankbarkeit, vom Leben
Vieles könnte er berichten
Überall in der Welt; in Kirchen, Kapellen und Wallfahrtsorten zünden
Menschen Kerzen bei Maria an
Maria - ein Name für die weibliche Seite Gottes?
Maria - eine Frau auf Augenhöhe
Maria - eine Frau, die vieles im Leben selbst erlebt hat.
Die an Gott glaubte, ihm vertraute, zweifelte und auch verzweifelte.
Kerzenständer an der Maria
Es ist gut, so einen Ort zu haben.
Christa Baggen
Juni 2009: Zu dritt
Ganz stolz zeigen Kinder ihr erstes selbst gemaltes Bild: “Das habe
ich allein gemacht.” Es ist ein Zeichen von Größe. Es zeigt etwas von
dem, was in dem Kind steckt.
Wir machen es umgekehrt. Zum ersten Mal feiern wir Fronleichnam zu
dritt: St. Heinrich, St. Laurentius und St. Martinus. Wir feiern das
Fest gemeinsam und zeigen dabei etwas von dem, was in uns steckt.
Denn gemeinsam ist uns der Glaube, dass Gott sich für uns interessiert.
Gemeinsam ist uns die Freude, dass Jesus mit uns auf dem Weg ist.
Gemeinsam bekennen wir uns zu einem Leben in Geschwisterlichkeit
miteinander und Solidarität mit denen, die uns brauchen.
Was wir in diesem Jahr zum ersten Mal gemeinsam tun, können wir - wie
bisher - auch allein.
Dass wir es nun zusammen tun werden, zeigt, wie wir unsere Zukunft
miteinander verstehen: Die vielen verschiedenen Menschen unserer drei
Gemeinden sammeln sich um den einen Herrn.
Was wir sonst nebeneinander auf je unsere Weise feiern, bündelt sich zu
einem guten Signal für die Zukunft.
Es festigt die Zusammengehörigkeit der Gemeinden untereinander und
bedeutet zugleich in die Öffentlichkeit hinein einen Aufbruch.
St. Laurentius lädt uns ein. Wir gehen gerne hin.
Josef Voß
Juli/August 2009: Zeit der Erholung
Die Sommerzeit mit den großen Schulferien ist für viele die große
Zeit der Ruhe, der Erholung und des Urlaubes. Urlaub muss nicht immer
die Reise in andere Städte und Länder bedeuten.
Wenn mir immer wieder Leute, die zum ersten Mal in eine unserer
Kirchen kommen, sagen: "Jetzt sehe ich zum ersten mal diese Kirche von
innen", dann denke ich: oft kennt man Gebäude und Geschichte in anderen
Städten besser als die der eigenen Heimat.
Vielleicht kommen Sie in den Ferien in eine andere Kirche, die Sie noch
nie besucht haben.
Genießen Sie die Ruhe, lassen Sie den Raum wirken, vielleicht finden Sie
Zeit für ein Gebet.
Denn auch zu Hause in Aachen kann man Entspannung finden: im Garten mit
einem tollen Buch, das schon so lange im Schrank liegt.
Im Schwimmbad oder in einem der interessanten Museen.
Vielleicht fahren Sie einmal mit einem Linienbus, der ein Ziel hat,
welches Ihnen noch ganz unbekannt ist.
Oder Sie gehen von zu Hause zu Fuß los und biegen an jeder Ecke
abwechselnd rechts und links ab - vermutlich werden Sie in Straßenzüge
gelangen, die Sie noch nicht gesehen haben.
Oder haben Sie schon einmal eine Stadtführung in Aachen gemacht?
Oft kann die Erholung ganz nahe sein, meint
Angelo Scholly
September 2009:... siehe, es war gut
In der Bibel, in der Schöpfungsgeschichte, ist der Ursprung, der
Anfang, das Tohuwabohu, wie es im hebräischen Urtext heißt, das Chaos.
Mitten in diesem Chaos lässt Gott einen Schutzraum entstehen, in dem wir
leben können. Fluten werden eingedämmt, Vegetation und Leben können sich
entwickeln und wachsen. Und es heißt: Gott sah, dass es gut war!
Unsere Erde heute: wunderschön und doch schon so verletzt. Immer
wieder erreichen sie uns, die Berichte von Unwettern, Katastrophen,
Verwüstungen, Überschwemmungen. Und immer bricht das Chaos über uns
herein.
Aber macht das diesen Schutzraum nicht nur umso kostbarer?
Zeigt uns dies nicht: Wir können ihn dankbar genießen?
Wir sollen die Erde bewahren und bebauen. Alles, was wir von ihr
erhalten, ist das Geschenk Gottes an Pflanzen, Tiere und Menschen.
Der Film "HOME" von Yann Arthus-Bertrand, den wir im Pfarrsaal im Rahmen
der "Fairen Woche" zeigen, zeigt uns in eindrucksvollen Bildern die
Schönheit und die Verletzungen der Erde. Er will uns inspirieren, mit
der Verantwortung für unseren Planeten auf positive Weise umzugehen.
Sorge für die Erde und sie wird für dich sorgen!
Christa Baggen
Oktober 2009: Umsonst - nicht vergeblich
Es gibt den Verdacht, was umsonst ist, sei nichts wert. Widerspruch!
Das Horbacher Dorffest und das Richtericher Pfarrfest haben bewiesen,
wie falsch diese Meinung sein kann.
Beide Feste stehen beispielhaft für alles, was im Leben unserer
Gemeinden geschieht.
Denn wer wollte das zählen: die Gedanken, die Telefonate, die
Ideensammlungen, die Mails, die Absprachen, die Treffen, die Schritte
der Vorbereitung, die Übersicht bei der Durchführung, die kurzfristigen
Improvisationen, das Aufräumen, die Reflexionen in den vielen, vielen
Aktivitäten unserer Gemeinden?
Ich bin glücklich, dass wir eine so große Zahl von Kindern,
Jugendlichen, Frauen und Männern haben, die in St. Heinrich und St.
Martinus mittun. Sie bringen sich ein, wie es ihre zeitlichen und
kräftemäßigen Möglichkeiten jeweils erlauben.
Um diese große Zahl von ehrenamtlich tätigen Menschen kann uns jeder
beneiden. Ihr Zusammenspiel zeigt: Was hier umsonst getan wird, ist
nicht vergeblich! Hier pulsiert das Leben der Gemeinden.
Diesen Vielen gilt unser Erntedank. Sie erweisen, dass unsere Gemeinden
vital sind. Sie sind die Zukunft in Aachens Nordwesten.
Die Mitglieder der Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände, deren Neuwahl
nun ansteht, tragen Mitverantwortung in der Leitung der Gemeinden. Gott
sei Dank können sie sich auf diese Vielen stützen, die sich kräftig
engagieren: umsonst - aber nicht vergeblich!
Josef Voß
DU bist Kirche
Durch die Taufe ist jeder Christ ein mündiger Christ - nicht nur mit
Fähigkeiten gut gerüstet, sondern zudem mit der Aufgabe, diese auch
einzubringen. Es gibt gar den Begriff des "Taufpriestertums". Dies ist
ein großer (und ein großartiger) Auftrag.
In diesem Monat werden Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände
gewählt. Für jede Kandidatin und jeden Kandidaten gilt: Bringe dich ein.
DU bist Kirche. Für alle, die wählen gehen und den Gremien eine breite
Basis geben, gilt: IHR seid Kirche.
Unsere Chöre haben im November 2009 ein sehr vielfältiges Programm.
Sie singen zur Ehre Gottes und bringen so ihre Möglichkeiten ein. Für
jede
Sängerin und jeden Sänger gilt: DU bist Kirche.
Jeder in der Gemeinde hat das Recht, Vertrauen, geschenkt zu
bekommen. Auch das Vertrauen in die Fähigkeiten und darin, dass diese
vielfältig weitergegeben werden - denn DU bist Kirche.
Wir wollen in unseren Gemeinden künftig die Rolle der "Laien"
deutlich stärken und aufspüren, wo wir Sie und Dich mehr wertschätzen
und einsetzen können. Und so sollen nicht nur "Lücken gestopft" werden,
sondern sogar bewährte Felder neu besetzt werden können.
Ich bin sicher: Auch DU bist Kirche.
Angelo Scholly
Ich steh an deiner Krippe hier,
o Jesus, du mein Leben.
Götter, Stars… Menschen, die wir bewundern, scheinen oft alles zu
haben, was uns fehlt: Reichtum, Ansehen, Macht, Erfolg. Weihnachten ist
das Fest gegen solche falschen Vorbilder. Ein Kind wird geboren. Sein
Name ist Emmanuel. Dieses kleine Kind versteckt geboren im Stall. Gott
zeigt sich in diesem kleinen König im Stall.
Ein Gott, der sich fast ohnmächtig den Menschen ausliefert. Einer, der
nichts hat, ein Flüchtling, ein Todgeweihter. Er meldet sich nicht unter
dem Namen der Macht, in der Glanz-Welt. Er ist ein Gott, der sich ganz
verschenkt. Einer, der mit uns geht (Emmanuel), der nicht aus unserem
Leben weicht.
Aber… stirbt keiner mehr? Werden den Armen die Schulden erlassen? Wird
keiner mehr erniedrigt? Glauben heißt mit Widersprüchen leben.
Wir Christen können oder sollten gemeinschaftlich, als Gemeinde, Ja
sagen dazu, dass Gott sein wahres Gesicht gezeigt hat in diesem Sohn.
So muss noch kommen, was schon ist.
Wir wollen noch sehen, was schon da ist. Diese Zusage, dass das Heil
angebrochen ist, sollten wir feiern mit unseren Texten, Gebeten und
Liedern. Wir sind nicht die ewig Wartenden. Wir haben einen guten
Anfang, die Engel sagen uns die gute Nachricht: Er ist geboren, die Rose
ist aufgeblüht, die die Schönheit der Welt bedeutet.
Christa Baggen
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