Wunsch für das Jahr
Immer, wenn ich gehe:
Als sei ich
begleitet.
Und das beschwingt.Immer, wenn ich gehe:
Der Schlag
meines Herzens.
Und der hält den Rhythmus.
Immer, wenn ich gehe:
Ein Schritt
nach dem andern.
Und das bringt voran.
Immer, wenn ich gehe:
Ein Schimmer
von Sinn.
Und der gibt mir Flügel.
Wolfgang Dietrich |
 Die Ermutigung dieses Gedichtes tut gut in der Unüberschaubarkeit des
neuen Jahres. Sie vermittelt Gewissheit und Zuversicht auch für das, was
heute noch im Dunkeln liegt.
Auch wenn er nie genannt wird, ahnen wir doch aus allen Zeilen die treue
Sorge unseres Schöpfers, der uns die Zeit zu leben gibt, aber auch
alles, was sie uns bestehen lässt. |
Josef Voß
Oecher Fasteleer
Wer einmal in Aachen war,
der findet es wunderbar.
Denn hier macht sich jetzt (fast) jeder bereit:
es naht die fünfte Jahreszeit.
Horbacher Freunde und Koe Jonge,
jetzt wird jedanzt än ouch jespronge.
Trübsal und Sorge sollen etwas schwinden,
Freude und Heiterkeit soll jede(r) finden.
Am Aschermittwoch ist alles vorbei,
dann werden wir für Tieferes frei.
Mehr Besinnung, weniger Hasten,
das tut uns gut - und auch das Fasten.
Auf Ostern unser Blick sich richtet,
der Herr hat Sünd und Tod vernichtet.
Darauf wollen wir uns besinnen,
mit Ruhe und Einkehr - die kommt von innen.
Zuvor aber stimmt an das Fliegerlied
oder was es an Oecher Leddchere gibt.
Und dass an diesen Tagen niemand einsam ist,
wünscht euch Angelo Scholly, der Organist.
"Aus dem Rahmen fallen"
Anders Sein - Christ Sein
Kennen Sie das? Sie sind mitten in der Arbeit, haben den Kopf voll, sind
angespannt, da begegnet Ihnen ein Mensch, der Ihre Hilfe braucht.
Jesus erzählt uns diese Geschichte: Da liegt ein Mensch im Straßengraben
- blutig, nackt, halb tot geschlagen. Zwei gehen vorüber: Ein Priester
und der Priesterdiener. Ein Fremder hat Mitleid. Er öffnet sein Herz.
Für ihn ist das wichtigste dieser Mensch. Er ist "anders", er ist dem
Anderen der Nächste. Die zwei, die vorübergingen, waren zu stark mit
ihren wichtigen Dingen beschäftigt; sie sahen den Armen und sahen ihn
doch nicht.
Jesus hält uns, den Verantwortlichen in der Kirche, den Spiegel vor:
Wovon sind eure Herzen, eure Köpfe voll? Von der Frage, welche
Pfarrgemeinde mit welcher fusioniert oder kooperiert, wie alles
organisiert, finanziert wird? Wie und mit wem wir Gottesdienste feiern
und wie sie gestaltet werden? Ist nur dafür Raum? Aber was ist dann mit
dem Einsamen, den Suchenden, denen, die unter die Räuber gefallen sind?
Gehen wir vorüber an den Menschen, die unsere Hilfe oder unsere Nähe
brauchen?
Die Zeit vor Ostern lädt uns ein, dass wir uns von dieser Geschichte
herausfordern lassen, um Augen und Ohren zu bekommen, damit wir nicht
nur wahrnehmen, sondern auch danach handeln. Dadurch können wir ein
Leben gewinnen, das anders ist, aus dem Rahmen fällt. Ein Satz von
Dorothee Sölle zur Stärkung: "Christ sein bedeutet das Recht, ein
anderer zu werden."
Christa Baggen
Sprengsatz für unsere Gräber

Bedrängt von der eigenen Vergeblichkeit, suche ich nach dem, der das Grab der
Frustration sprengt.
Umkesselt von Horrormeldungen des Missbrauchs, suche ich nach dem, der das Grab
der Schuld sprengt.
Eingeschüchtert durch das Nachlassen der körperlichen und seelischen Kräfte,
suche ich nach dem, der das Grab der Angst sprengt.
Gestresst durch die vielen Verpflichtungen und Anforderungen, suche ich nach
dem, der das Grab der Überforderung sprengt.
Ostern ist der Sprengsatz.
Gott sprengt den Tod, damit Jesus von Nazaret aus dem Grab ersteht.
Der Geschundene Gottes, der für die Menschen Aufgebrauchte - lebt.
Ostern ist der Sprengsatz für unsere Gräber.
Nein, wir kommen in diesem Leben nicht ungeschoren davon. Und wir wissen nicht,
für wen und wie lange wir uns noch aufbrauchen lassen müssen. Doch unser Leben
wird überleben. Es wird in den Gräbern dieser Welt nicht umkommen.
Ostern gibt uns dafür das Signal und das Versprechen Gottes.
Josef Voß
Komm heilger Geist, der Leben schafft
In diesem Monat feiern wir Pfingsten - das Fest, das so viel schwieriger zu
erfassen ist als Weihnachten oder Ostern. Sieben Gaben des Geistes wollen uns "be-geist-ern".
Der Geist der Weisheit soll uns helfen, Entscheidungen mit Bedacht zu treffen,
vielleicht im Vorfeld schon Folgen abzusehen und so unsere Schritte gut zu
überdenken.
Der Geist des Verstandes und der Einsicht ist es, der uns Fehler erkennen lässt,
der uns aber auch hilft, das Gute wieder in den Blick zu nehmen.
Der Rat ist die Gabe des Geistes, die ähnlich einem Navigationssystem sagen will
"Kehre um" oder "hier ist eine Sackgasse". Die Entscheidung, dann auch wirklich
umzukehren oder doch auf dem alten Weg zu bleiben, die liegt bei uns.
Der Geist der Stärke hilft uns, auch in schwierigen Zeiten zu sich zu stehen: zu
seinem Leben, zum Glauben auch in Krisenzeiten, zu seinen Mitmenschen.
Die Erkenntnis (und die Wissenschaft) will uns ermuntern, stets aktiv zu
bleiben, wenn es darum geht, für das Leben zu lernen.
Der Geist der Frömmigkeit sagt uns: Glaube braucht auch Training. Ein Ge-dank-e
an Gott für eine gute Mahlzeit, Gottesnähe im Gottesdienst, Glaubensweitergabe
an Kinder.
Die Gottesfurcht soll uns keine Angst bereiten. Sicher ist die Zusage: Gott ist
bei uns auf unseren Wegen im Leben - auch auf den Umwegen, auch auf Abwegen.
Mit dem Heiligen Geist im Gepäck sagen wir hoffentlich oft: "Ziel erreicht". Angelo Schollyß
Die Kunst, genau hinzuschauen
Viele Missbrauchsfälle wurden in den letzten Wochen aufgedeckt. Auch wenn
viele schon lange zurück liegen, ist das gut so. Es wird nicht mehr geschwiegen.
In den Medien, Predigten, Verlautbarungen und vielen Gesprächen wird sich damit
beschäftigt, wo Menschen in unserer Kirche, in Schulen, Heimen etc. ihr Amt
missbraucht haben.
Es wäre doch gut, wenn wir etwas daraus lernen würden. Notwendig ist es dann,
nach meiner Meinung, auf die Opfer, die Kinder, zu schauen und uns weiterhin zu
fragen: Wie geht es unseren Kindern heute? Wer die Kleinen, diese unter allen
Leuten besonders gesegneten und gefährdeten Menschen, wahrnehmen will, muss nach
unten schauen. Wo sind die Kinder? Was ist ihr Glück, was ihre Not? Unter
welchen Bedingungen, in welchen Strukturen, werden sie groß? Was geschieht mit
ihnen? Sorgen wir uns um die Seelen unserer Kinder?
Damals brachte man die Kinder zu Jesus. Er legte ihnen die Hände auf! Jesus
sagte: "Ihnen gehört das Reich Gottes!" Jesus holt sie in die Mitte. Sie sind es
die die frohe Botschaft weiter tragen, weniger durch Worte, als durch ihr
Dasein.
Für uns, die Erwachsenen, gilt es also, sie genau anzuschauen, um zu entdecken,
was es mit dem Himmelreich auf sich hat.
Wenn ich mir das in meiner Alltagssituation sage: Diesen lauten, zappeligen,
traurigen, aggressiven Kindern soll das Himmelreich gehören? Kann das sein? Ja,
es gehört auch dem nervtötenden, konsumsüchtigen Nachbarsmädchen.
Christa Baggen
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